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Inszenierungen

Zu den Kaspar-Hauser-Festspielen hat Eckart Böhmer zehn Inszenierungen beigetragen. Es sind allesamt Uraufführungen, teils gegebener, teils selbst geschriebener Stücke. Die Inszenierungen verstehen sich als ein Theater des schöpferischen Erkenntnisweges; die Bühne wird zum Labortisch, auf dem sich Forschung ereignet.
Viele der Inszenierungen fanden statt im historischen Innenhof des ehemaligen Appellationsgerichtes, Wirkungsstätte des Präsidenten Anselm Ritter von Feuerbach.
Hier war Kaspar Hauser als Aktenkopierer tätig.

Kaspar Hauser Historisches Schauspiel von Kurt Kramer in 5 Akten (1996/97)

In diesem Stück konzentriert sich der Ansbacher Autor auf die letzten Monate des Lebens Kaspar Hausers. Es zeigt gleich einem „countdown“ die sich verdichtenden Machenschaften um Hauser auf, die wie folgerichtig in Attentat und Tod münden mussten.

 

Des Engels Lüge

Dieses in gemeinsamer schöpferischer Ensemble-Arbeit entstandene Stück gibt Einblick in den Rund-um-Blick der zum Symbol gewordenen Figur. Der Titel ist Anlehnung an ein Zitat Georg Friedrich Daumers, der in seinem 1873 erschienenen Kaspar-Hauser-Buch dessen Aussage auf dem Totenbett: „Es hat mir ja niemand etwas getan“ mit den überraschenden Worten kommentierte: „Kaspar Hauser starb mit einer Lüge- aber es war die Lüge eines Engels.“ So bringt der Titel in dichtest möglicher Form die enormen Polaritäten der Kaspar Hauser-Rezeption auf den Punkt: Vom minderwertigen Betrüger bis hin zum himmlischen Boten!

Das Leben ein Traum Kaspars

Calderóns berühmtes Werk Das Leben ein Traum aus dem Jahre 1634 greift wichtige Kaspar-Hauser-Themen voraus, insbesondere das Motiv des eingekerkerten Königssohnes. Angenommen, Kaspar hätte eine Inszenierung dieses Stückes gesehen, er besuchte ja hin und wieder solche Veranstaltungen, was wäre hierbei möglich gewesen? Dies zu erfahren hat das heutige Publikum Gelegenheit, denn wir erleben Das Leben ein Traum aus Sicht Kaspars – so wie er es erleben hätte können.

 

was bleibet aber, stiften die Dichter

Die unter dem berühmten Hölderlin-Zitat stehende Performance widmet sich dem Spannungsfeld von wissenschaftlicher und literarischer Kaspar-Hauser- Rezeption und bereitet somit Boden vor für künftige Arbeiten, seien sie künstlerischer oder sachlicher Natur.

Kasparzival

Die auffallend starken und vielschichtigen Parallelen zwischen Kaspar Hauser und Parzival, insbesondere dem des Wolfram von Eschenbach, sind Ausgangspunkt einer theatralen Forschungsreise, bei der zu Beginn das Ziel nicht abzusehen war. Haben sich die Beiden auf der Bühne tatsächlich etwas zu sagen? Ein spannender Bilderbogen Jahrhunderte auseinander liegender Qualitäten ist gewachsen, der zeigt, dass in Kaspar Hauser und Parzival ein Archetyp von starker Relevanz auch für uns Heutige lebt.

Am 17. Dezember 1933 zu eröffnen

Szenische Lesung des Gedenkblattes der Fränkischen Zeitung zum 100. Todestag Kaspar Hausers

Auf einem Umfang von vier ganzen Seiten widmet sich die Fränkische Zeitung dem weit über Zeit und Raum bekanntesten Ansbacher Bürger und dessen erregendem Schicksal. Viele prominente Forscher sind vertreten, allen voran Dr. Hermann Pies und Dr. Fritz Klee. So bildet das Gedenkblatt einen hervorragenden Spiegel einer der Glanzzeiten der Hauser-Forschung.
Zudem fällt der 100. Todestag in ein historisch äußerst relevantes Jahr und ist somit für uns Heutige Geschichte in zweifacher Hinsicht. Henriette Feuerbach, Schwiegertochter des Gerichtspräsidenten von Feuerbach sowie Stiefmutter des Malers Anslem Ritter von Feuerbach, tätigte 1884 die außergewöhnliche Aussage:“ Hätte ich den voll gültigen Beweis, der noch aussteht ( zu Kaspar Hauser und wohl auch zum Tode des Schwiegervaters), so würde ich ihn in eine eiserne Chatoulle sperren und darauf schreiben:
Am 17. Dezember 1933 zu eröffnen.

Von Schläfern und Nicht-Schläfern

Seit beginn der Kaspar Hauser-Festspiele kommen Inszenierungen zur Uraufführung, die sich als Forschungstheater verstehen. Kaspar Hauser vereint in sich schönste Einfachheit bei gleichzeitiger höchster Komplexität. Um diesen Schritt für Schritt gerecht zu werden, wird das Kind Europas in dieser Inszenierung in Begegnung gebracht mit einer anderen Symbolfigur- dem Deutschen Michel, denn oft ist das Eine erst durch das Andere zu verstehen. Gut 500 Jahre ist er bereits alt der Begriff, aber wer ist dieser Repräsentant des Deutschen Bürgers? Was haben sich die beiden auf der Bühne in ihrer Ähnlichkeit zu sagen ?

Stanhopea oculta

Ein Solo für den Lord

Um die kulturhistorische Komplexität Kaspar Hausers annähernd begreifen zu können, ist ein tiefes Verständnis für seinen undurchsichtigen Gegenspieler, Lord Stanhope, unabdingbar.
Dieses Solo widmet sich der so vielfarbig schillernden, rätselhaften Figur, die binnen kürzester Zeit zum Pflegevater des Findlings avanciert war. Seine feine englische Art und sein kluges Taktieren zieht den Zuschauer hinein in ein Spiel, dessen Gewinner noch zu bestimmen sein wird.

Er wahrlich liebte die Sonne

Dieses Stück, dessen Titel auf Georg Trakls Kaspar-Hauser-Gedicht zurückgeht, zeigt den Findling im Lichte des Höhlengleichnisses von Platon. Feuerbach selbst war es, der Kaspar Hauser mit diesem philosophischen Bild in Verbindung gebracht hatte. Das Publikum hat Teil an einer Zeitreise von den alten Griechen über die Goethe-Zeit bis hinein in unsere Tage, in denen sich die Gedanken Platons längst manifestiert haben.

Feuerbach oder Beispiel eines Verbrechens an der Bewusstseinsseele des Menschen

Nach der Abdankung Napoleons verfasst Feuerbach im Jahre 1814 eine hochbrisante Schrift. Während dessen erhält er Besuch des „Unreinen Geistes“, einer Allegorie der Folter, die   er kurz zuvor mittels seines Bayerischen Strafgesetzbuches abgeschafft hatte.